
Reeperbahn und Hafenstrasse – 11.10.2026
Schon bei unserer Ankunft mit dem ArztMobil auf der Reeperbahn bot sich uns ein vertrautes, aber dennoch erschreckendes Bild. Vor der Essensausgabe hatte sich bereits eine riesige Schlange von Menschen gebildet. Von Woche zu Woche scheint der Andrang größer zu werden.
Auch bei der medizinischen Versorgung war heute viel los, und unser Team hatte alle Hände voll zu tun. Dabei erleben wir immer wieder, wie hart und belastend das Leben auf der Straße ist. Neben Hunger, Krankheit und der ständigen Sorge um das tägliche Überleben herrscht auch unter den Menschen selbst häufig Gewalt.
Spannungen, Streit und körperliche Auseinandersetzungen gehören für viele zum Alltag. Wer ohnehin schon am Rand der Gesellschaft lebt, findet oft kaum einen Ort, an dem er sich sicher fühlen und zur Ruhe kommen kann.
Besonders nahe ging uns der Einsatz des Rettungswagens für einen uns bekannten Patienten. Seit dem Tod seiner Ehefrau vor einigen Monaten findet er keinen Halt mehr. Mit diesem schweren Verlust kommt er offenbar nur schwer zurecht und greift zunehmend zum Alkohol. Inzwischen wird immer deutlicher, wie sehr ihn die Trauer und die damit verbundene Verwahrlosung belasten. Der Alkohol scheint mehr und mehr die Kontrolle über sein Leben zu übernehmen.
Es macht uns betroffen, seine Entwicklung mitzuerleben. Man fragt sich, wie lange das noch gut gehen kann und wann der Punkt erreicht ist, an dem die Situation völlig außer Kontrolle gerät.
Solche Begegnungen führen uns immer wieder vor Augen, wie schnell ein Mensch aus der Bahn geraten kann. Ein schwerer Verlust, ein Schicksalsschlag und plötzlich gerät das Leben, das eben noch Halt und Sicherheit gegeben hat, ins Wanken.
Was von außen manchmal unverständlich erscheint, hat häufig eine Geschichte, die von Schmerz, Verzweiflung und dem Verlust jeglicher Sicherheit erzählt.
Gerade deshalb ist es so wichtig, hinzusehen, da zu sein und Menschen nicht aufzugeben. Wir können nicht alle Schicksale verändern und nicht jede Not lindern. Aber wir können zuhören, medizinisch helfen, ein Stück Wärme schenken und Menschen mit Respekt begegnen. Denn manchmal braucht es nur einen kleinen Halt, ein offenes Ohr oder einen Moment der Menschlichkeit, damit jemand nicht vollends den Boden unter den Füßen verliert.
Heute im Team Essenverteilung:
Andrea und Mascha mit den Elmshorner Suppenhühnern
Und im Team ArztMobil:
Michael, Lisa, Mirja und Diana
